In Europa steht ein Umbruch im Wertpapierhandel bevor. Mit der Reform der Finanzmarktrichtlinie (MiFIR/MiFID II) hat die EU beschlossen, das Geschäftsmodell Payment for Order Flow (PFOF) zu verbieten. Für viele klingt das zunächst abstrakt – dabei betrifft es Millionen von Anlegern direkt. Besonders Neobroker wie Trade Republic oder Scalable Capital, die mit extrem günstigen Konditionen groß geworden sind, müssen sich neu aufstellen.
Was ist Payment for Order Flow?
Payment for Order Flow bedeutet, dass ein Broker Geld von Handelsplätzen oder Market Makern erhält, wenn er die Orders seiner Kunden dorthin weiterleitet. Für den Broker ist das lukrativ, denn er verdient auch dann, wenn er dem Kunden sehr niedrige oder gar keine Ordergebühren anbietet.
Das Problem: Für Anleger ist nicht immer transparent, ob ihre Orders wirklich am besten verfügbaren Handelsplatz ausgeführt werden oder ob der Broker schlicht dorthin leitet, wo er selbst am meisten verdient. Kritiker sehen deshalb einen klaren Interessenkonflikt.
Warum die EU PFOF verbietet
Die EU möchte mehr Fairness und Transparenz schaffen. Das Ziel ist, dass Broker im Sinne ihrer Kunden handeln – und nicht nach der höchsten Vergütung für sich selbst. Studien haben gezeigt, dass Anleger bei PFOF-Modellen zwar oft keine direkten Gebühren zahlen, dafür aber schlechtere Kurse bekommen. Unterm Strich kann das teurer sein, als es auf den ersten Blick wirkt.
Seit März 2024 gilt das PFOF-Verbot grundsätzlich. Deutschland nutzt allerdings eine Übergangsfrist, sodass die Praxis noch bis 30. Juni 2026 erlaubt bleibt, wenn Broker sie schon vorher angewendet haben.
Was bedeutet das für Trade Republic und Scalable Capital?
Genau hier wird es spannend: Sowohl Trade Republic als auch Scalable Capital haben ihr Geschäftsmodell bisher stark auf Payment for Order Flow aufgebaut.
- Trade Republic konnte dadurch Orders für nur 1 € anbieten und ETF-Sparpläne kostenlos ermöglichen.
- Scalable Capital bietet mit dem „Prime Broker“-Modell sogar unbegrenzte Trades ohne Ordergebühren an – finanziert durch Zahlungen von Handelsplätzen wie gettex.
Beide profitieren aktuell enorm von PFOF. Mit dem Verbot müssen sie ihr Modell jedoch spätestens 2026 umstellen.
Mögliche Folgen für Anleger
- Höhere Gebühren
Wahrscheinlich werden die ultraniedrigen Orderkosten nicht in der bisherigen Form bestehen bleiben. Statt 0 € oder 1 € könnten wieder feste Gebühren pro Order eingeführt werden. - Andere Einnahmequellen
Broker könnten stärker auf Abo-Modelle setzen (z. B. Prime-Abos mit Pauschalpreis) oder mehr Zusatzdienste kostenpflichtig machen. - Bessere Orderausführung
Ohne PFOF-Zahlungen haben Broker weniger Anreize, Orders an bestimmte Handelsplätze zu leiten. Das könnte die Qualität der Ausführung verbessern, weil tatsächlich der beste Kurs zählt. - Mehr Transparenz
Anleger werden klarer nachvollziehen können, wo und wie ihre Orders ausgeführt werden. Damit steigt das Vertrauen in die Broker.
Vergleich: Neobroker vs. klassische Banken
- Trade Republic und Scalable: Bisher extrem günstige Gebühren, stark abhängig von PFOF. Müssen ihr Geschäftsmodell anpassen.
- comdirect oder ING: Verlangen schon jetzt höhere Gebühren, arbeiten ohne PFOF. Für sie ändert sich wenig.
Langfristig könnte sich der Markt annähern: Neobroker werden etwas teurer, klassische Banken vielleicht etwas günstiger.
Fazit
Das Ende von Payment for Order Flow ist ein Einschnitt – vor allem für die beliebten Neobroker. Für Anleger bedeutet es vermutlich leicht steigende Gebühren, dafür aber fairere Ausführung und mehr Transparenz. Kurzfristig ändert sich für Kunden von Trade Republic und Scalable Capital noch nichts, weil Deutschland die Übergangsfrist nutzt. Spätestens ab 2026 müssen aber auch sie ihr Modell ändern.
Für dich als Anleger heißt das: Behalte die Entwicklung im Blick, prüfe die Gebührenstruktur deines Brokers regelmäßig – und sei dir bewusst, dass am Ende nicht „kostenlos“, sondern fair und transparent die bessere Wahl sein kann.

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