Private-Equity-Investments galten lange als Spielwiese für große Vermögen: geschlossene Fonds, hohe Mindestsummen, kaum Transparenz. Nun will der Neobroker Trade Republic diesen Markt demokratisieren. Ab 1 Euro sollen Privatanlegerinnen und -anleger über die App in nicht börsennotierte Unternehmen investieren können. Doch kann das funktionieren – und ist das überhaupt sinnvoll?
Was Trade Republic verspricht
Mit dem neuen Angebot „Private Markets“ öffnet Trade Republic den Zugang zu Private-Equity-Fonds, die bisher institutionellen Anlegern vorbehalten waren. Partner sind nach Unternehmensangaben große Namen der Branche – etwa EQT oder Apollo Global Management.
Die versprochene Rendite liegt – je nach Fonds – bei bis zu 12 % jährlich. Klingt verlockend, gerade in Zeiten, in denen klassische Anleihen kaum noch Rendite bringen und Aktienmärkte schwanken.
Zudem wird der Einstieg besonders niedrigschwellig gestaltet: Ab einem Euro können Nutzerinnen und Nutzer Anteile zeichnen, die über die Trade-Republic-App verwaltet werden. Der Broker betont, dass so „Private Markets für alle“ zugänglich würden.
Was hinter Private Equity steckt
Private-Equity-Fonds investieren in nicht börsennotierte Unternehmen – oft, um sie zu restrukturieren oder zu expandieren. Das Ziel: Unternehmenswert steigern und später mit Gewinn verkaufen.
In der Praxis ist das ein langfristiges Geschäft: Kapital wird häufig mehrere Jahre gebunden, Auszahlungen erfolgen erst am Ende der Laufzeit. Anleger haben also keinen täglichen Zugriff auf ihr Geld – im Gegensatz zu Aktien oder ETFs.
Der kritische Punkt: Liquidität und Transparenz
Und genau hier beginnt die Herausforderung:
Trade Republic bietet zwar an, Anteile monatlich zu handeln – also bei Bedarf zu verkaufen. Doch ob das tatsächlich jederzeit funktioniert, hängt davon ab, ob genügend Käufer auf der Plattform vorhanden sind. Es gibt keinen garantierten Zweitmarkt.
Hinzu kommt, dass Private-Equity-Fonds kaum Berichtspflichten haben. Während börsennotierte Unternehmen regelmäßig Zahlen veröffentlichen, bleibt bei privaten Firmen vieles im Dunkeln. Anleger müssen darauf vertrauen, dass der Fondsmanager im Sinne der Investoren handelt – und dass Trade Republic die Auswahl sorgfältig trifft.
Kosten und Risiken
Private-Equity-Produkte sind traditionell teuer. Fondsmanager verlangen oft Management- und Erfolgsgebühren, die einen Teil der Rendite schmälern können. Wie hoch diese Kosten bei Trade Republic genau ausfallen, bleibt bislang unklar.
Zudem sind Renditeversprechen mit Vorsicht zu genießen. Die oft genannten 10 bis 12 Prozent stammen aus historischen Durchschnittswerten großer Fonds – und beziehen sich auf institutionelle Investments über viele Jahre. Ob Kleinanleger über eine App ähnliche Ergebnisse erzielen, ist fraglich.
Was für Privatanleger bedeutet das
Das Angebot ist zweifellos innovativ. Es macht eine Anlageklasse zugänglich, die bisher verschlossen war. Doch der einfache Zugang darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Private Equity kein Ersatz für klassische Geldanlagen ist.
Wer hier investiert, sollte sich der Risiken bewusst sein:
- Kapital kann über Jahre gebunden sein
- Verluste sind möglich
- Wertentwicklung ist schwer nachvollziehbar
- Kosten können die Rendite deutlich mindern
Private-Equity-Investments sind eher eine Beimischung für erfahrene Anleger, die bereits ein stabiles Basisportfolio besitzen.
Fazit
Trade Republic bringt Bewegung in den Markt – das ist positiv. Doch die Idee, Private-Equity-Fonds über eine App massentauglich zu machen, wirft viele Fragen auf.
Demokratisierung von Finanzmärkten ist grundsätzlich ein gutes Ziel. Aber wenn komplexe, illiquide Produkte massenhaft angeboten werden, ohne dass Anleger die Risiken wirklich verstehen, kann das gefährlich werden.
Für die meisten Privatanleger bleibt Private Equity trotz niedriger Einstiegsschwelle eine spekulative Nische – interessant zum Beobachten, aber nur bedingt zum Mitmachen.
Hinweis
Dieser Beitrag dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung dar. Alle genannten Daten und Einschätzungen basieren auf öffentlich verfügbaren Informationen von Trade Republic und Drittpublikationen

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