Nach Jahren der Nullzinsen erleben wir seit 2023 eine Renaissance der Anleihemärkte. Festgeld, Tagesgeld und Staatsanleihen werfen wieder Rendite ab – teils mehr als 3 % jährlich. Doch während viele Sparer aufatmen, stellt sich die Frage: Ist das wirklich ein Comeback sicherer Zinsen, oder nur eine Momentaufnahme im Kampf gegen die Inflation?
Ein kurzer Rückblick
Noch 2021 galt: Wer sein Geld sicher anlegen wollte, musste Strafzinsen hinnehmen. Die EZB hielt den Leitzins bei 0 %. Erst die stark steigende Inflation zwang die Notenbank zum Handeln. Schrittweise erhöhte sie den Leitzins bis auf 4,5 % – das höchste Niveau seit über 20 Jahren.
Das Resultat: Banken mussten Zinsen auf Einlagen und Anleihen wieder anheben. Sparer freuten sich über steigende Tagesgeld- und Festgeldangebote, während Kreditnehmer und Staaten höhere Kosten schultern müssen.
Warum Anleihen wieder interessant werden
Staats- und Unternehmensanleihen bieten 2025 wieder Renditen, die viele Jahre undenkbar waren:
- Deutsche Bundesanleihen: rund 2,5 – 3 %
- US-Treasuries: etwa 4 – 5 %
- Unternehmensanleihen (Investment Grade): 3 – 5 %
Für konservative Anleger ist das attraktiv – endlich wieder Zinsen ohne Aktienrisiko. Doch der Schein trügt: Wer Anleihen kauft, setzt nicht nur auf Zinsen, sondern auch auf Zinspolitik und Inflation.
Das neue Zinsdilemma
Sobald die EZB ihre Zinsen senkt – was 2026 möglich wäre –, steigen die Kurse alter Anleihen. Wer also früh einsteigt, könnte Kursgewinne mitnehmen.
Allerdings: Sollte die Inflation erneut steigen, müssten die Zinsen länger hoch bleiben – und Anleihekurse würden fallen.
Kurz gesagt:
- Sinkende Zinsen → steigende Anleihekurse
- Steigende Zinsen → fallende Anleihekurse
Für langfristige Anleger kann das eine Chance sein. Für Kurzentschlossene bleibt es ein Risiko, das man kennen muss.
Inflation frisst reale Rendite
Nominalzinsen von 3 % klingen ordentlich – aber entscheidend ist die reale Rendite.
Bei einer Inflationsrate von 2,5 % bleiben effektiv nur 0,5 % Kaufkraftgewinn übrig.
Zinsen allein schützen also kaum vor Geldentwertung, sie dämpfen sie lediglich.
Was Anleger beachten sollten
- Laufzeiten prüfen:
Kurzfristige Anleihen oder Festgelder schützen vor Zinsänderungsrisiken.
Langläufer können sich lohnen, wenn man an sinkende Zinsen glaubt. - Diversifikation:
Eine Mischung aus verschiedenen Laufzeiten, Währungen und Emittenten reduziert Klumpenrisiken. - Inflationsgeschützte Anleihen:
Sie passen Kupons an die Teuerungsrate an – eine Option bei anhaltend hoher Inflation. - Nicht von Zinsen blenden lassen:
Ein Festgeld mit 3 % hilft wenig, wenn die Inflation gleichzeitig 4 % beträgt.
Fazit
Zinsen sind zurück – aber nicht ohne Risiko. Wer heute in Anleihen oder Festgeld investiert, sollte sich nicht von Nominalrenditen täuschen lassen. Die reale Kaufkraft bleibt das entscheidende Maß.
Für langfristige Anleger kann der Anleihemarkt wieder eine sinnvolle Beimischung sein – als Stabilitätsanker neben Aktien und ETFs. Doch wer denkt, Zinsen seien die „neuen Aktien“, irrt. Auch sichere Renditen können trügerisch sein, wenn man die Inflation ausblendet.
Hinweis
Dieser Beitrag dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Er stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung dar. Alle Zahlen und Einschätzungen basieren auf öffentlichen Marktinformationen (Stand: November 2025).

Bisher keine Kommentare